Basiswissen Verhaltensanalyse

Kostenübernahme

Gegebenenfalls ist auch eine Kostenübernahme durch Ihren Arbeitgeber möglich oder Sie können anderweitige finanzielle Hilfen in Anspruch nehmen (z. B. Bildungsgutschein in NRW). Interessierten Personen aus den von der Flutkatastrophe 2021 betroffenen Gebieten gewähren wir einen Preisnachlass von 10 %.

Ihre Investition

•6 Wochenendtermine mit je 16 Unterrichtseinheiten á 45 Minuten = 96UE
•Vor- und Nachbereitung der Wochenendtermine und Praxisphase = 60UE
•Literaturstudium = 24UE
•2.400 € (umsatzsteuerbefreit) inkl. aller Kursmaterialien und Lehrbuch sowie Zertifizierung

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Basiswissen Verhaltensanalyse

Ihre Vorteile

1.Wissenschaftliche Weiterbildung aus erster Hand
2.Interdisziplinärer Fachaustausch
3.Erweiterung Ihres Qualifikationsprofils
4.Blended Learning Format mit Präsenz- und Onlineterminen

Ziele und Inhalte der Weiterbildung

In diesem Kurs erwerben Sie grundlegende Kenntnisse über die Wissenschaft vom Verhalten.

Zahlreiche Disziplinen von der Psychologie bis zu den Neurowissenschaften befassen sich mit Verhalten. Vielfach gilt Verhalten als Nebenprodukt von geistigen (mentalen) Instanzen in der Person wie bspw. dem „inneren Kind“. Damit entkoppeln sich Erklärungsversuche für problematisches Verhalten von den realen Umweltbedingungen und verlagern sich in die Person hinein. Sie soll -nach dieser Sichtweise- zugleich Träger und Ursache von Problemverhalten sein. Für das Vorhandensein der mentalen Instanz gibt es aber keinen anderen Nachweis als das erklärungsbedürftige Verhalten selbst. Insofern bleibt die Frage nach den wirklichen Gründen und Veränderungsperspektiven für – problematisches- Verhalten unbeantwortet. Kaum eine Disziplin liefert grundlegendere und weitreichendere Antworten auf diese Frage als die Verhaltensanalyse.

Aus verhaltensanalytischer Sicht stellt Verhalten selbst und seine Regelhaftigkeit das eigentlich Interessante dar: Statt theoretischer Konstrukte rücken reale Beobachtungen in den Blickpunkt und eröffnen nachhaltige Veränderungsperspektiven.

Im deutschsprachigen Raum gilt Verhaltensanalyse häufig noch als Synonym für eine Methode. Es handelt es sich aber um einen naturwissenschaftlichen Zugang zum Verstehen und Verändern von Verhalten. Dementsprechend bezieht sich die Auseinandersetzung mit Verhalten auf beobachtbare Ereignisse und ihre Zusammenhänge: Verhalten bezeichnet jede beobachtbare und mit Umweltereignissen zusammenhängende Aktivität von Individuen. Im Unterschied zu theoretischen Begriffen wie „Gedächtnis“ lässt sich die Aktivität „etwas erinnern“ beobachten. Auch innere und nur vom Individuum selbst oder mit modernen Technologien beobachtbare Aktivitäten erfüllen dieses Kriterium. Zum Verhalten gehören offene (motorische oder sprachliche) ebenso wie private (erlebnisbezogene oder gedankliche) Aktivitäten in Relation zur Umwelt.

Andere mit Verhalten befasste Disziplinen verwenden überwiegend Substantive für ein eigentlich aktives Geschehen. Substantivierte Begriffe wie „Achtsamkeit“ erwecken den Anschein einer unabhängigen Variablen. Sie verstellen den Blick auf die Aktivität (achtsam sein) und die dafür maßgeblichen Wirkvariablen in der sozialen und physischen Umwelt. Gleiches gilt bspw. für „Absicht“ (etwas beabsichtigen), „Gefühl“ (etwa fühlen), „Willen“ (etwas wollen) und „Selbstwert“ (sich selbst bewerten). Bei konsequenter Bezugnahme auf beobachtbare Aktivitäten tritt der mangelnde Erklärungswert vieler populärer Substantive hervor. Denn die damit bezeichneten Begriffe bilden einen Teil und keine Ursache von Verhalten. Inneres und äußeres Verhalten unterscheidet sich nur im Grad der Beobachtbarkeit und folgt den gleichen Gesetzmäßigkeiten.

Im Basislehrgang lernen Sie die Gesetzmäßigkeiten von Verhalten und ihre Anwendungsbereiche kennen. Genau wie die Wissenschaft vom Verhalten verfolgt der Basislehrgang vier Ziele:

  1. Verhalten beschreiben (bspw. „depressiv sein“ anhand von konkreten Verhaltensmerkmalen wie viermaliges Grübeln über die berufliche Zukunft)
  2. Verhalten erklären (bspw. mit der funktionalen Analyse der vorausgehenden und nachfolgenden Bedingungen seines Auftretens)
  3. Verhalten vorhersagen (bspw. anhand einer Verstärkeranalyse oder der Gleichartigkeit von Reizen)
  4. Verhalten verändern (bspw. mit Prinzipien der differenziellen Verstärkung oder Diskriminationslernen)

Von A wie Arbeitssicherheit bis Z wie Zwänge umfasst die Verhaltensanalyse ein breit gefächertes Anwendungsspektrum. Verhaltensanalytisch fundierte Interventionen bspw. bei Stimmungsproblemen (Behavior Activation) oder tiefgreifenden Entwicklungsstörungen wie Autismus gehören zu den wirksamsten überhaupt.

Zielgruppe

Mit dem Basislehrgang richten wir uns an Angehörige von psychosozialen und pädagogischen sowie therapeutischen und pflegerischen Berufen und entsprechend qualifizierte Hochschulabsolventen. Z.B.:

  • Pflegekräfte
  • Inklusionshelfer:innen
  • Schulbegleiter:innen
  • Sozialarbeiter:innen
  • Ausbilder:innen
  • Psycholog:innen
  • Pädagog:innen
  • Lehrpersonen
  • Ergotherapeut:innen
  • Lerntherapeut:innen

Interessierten Personen aus den von der Flutkatastrophe 2021 betroffenen Gebieten gewähren wir einen Preisnachlass von 10 %.

Programm

Tag 1+2: Einführung

  • Verhalten aus naturwissenschaftlicher Sicht
  • Erscheinungsformen von Verhalten
  • Behaviorale vs. operationale Definitionen
  • Bestimmung von Zielverhalten
  • Methoden zur Erfassung von Verhaltensdaten
  • Einzelfallversuchspläne

Tag 3+4: Respondentes Verhalten – Signallernen

  • Habituation
  • Gesetzmäßigkeiten des Signallernens
  • Konditionierung zweiter Ordnung
  • Konditionierung emotionaler Reaktionen
  • Extinktion und Inhibitionslernen
  • Semantisches Konditionieren

Tag 5+6: Operantes Verhalten – Erfolgslernen: Ausformung und Aufrechterhaltung von Verhalten

  • Prinzip der „Selection by Consequences“
  • Verstärkeranalyse
  • Shaping (Verhaltensformung)
  • Errorless Learning
  • Aufrechterhaltung von Verhalten
  • Wahlverhalten und das Matching Law

Tag 7+ 8: Operantes Verhalten – Erfolgslernen: Differenzierung und Generalisierung von Verhalten

  • Differenzielle Verstärkung
  • Diskriminationslernen
  • Dreifachkontingenz und funktionale Analyse
  • Reizkontrolle
  • Prompting
  • Generalisierung

Tag 9+10: Operantes Verhalten – Erfolgslernen: Abbau von Verhalten

  • Motivierende Operationen
  • Aversive Kontrolle und ihre Nachteile
  • Response-Cost Verfahren
  • Habit-Reversal Training
  • Vermeidungslernen
  • Selbststeuerung

Tag 11+12: Rückschau und Zertifizierung

  • Abnahme der Zertifizierung
  • Implementierung in die Praxis
Ihre Lerngewinne auf einen Blick

Nach der aktiven Teilnahme an diesem Kurs können Sie den Einsatz von verhaltensanalytischen sachkundig begründen und beurteilen und

  • die Ziele und Methoden der Naturwissenschaft vom Verhalten beschreiben.
  • Problem- und Zielverhalten definieren und Methoden der Beobachtung anwenden.
  • respondentes Verhalten und das Gesetz der Konditionierung vom „Typ S“ beschreiben.
  • operantes Verhalten und das Gesetz der Konditionierung vom „Typ R“ beschreiben.
  • die Prinzipien des Verstärkereinsatzes zur Erhöhung der Verhaltensrate anwenden.
  • die Prinzipien intermittierender Verstärkung zum Aufrechterhalten von Verhalten anwenden.
  • das Prinzip der differentiellen Verstärkung zum Ausbau von Alternativverhalten anwenden.
  • das Prinzip des Shapings zur Ausformung von neuem Verhalten anwenden.
  • das Prinzip von Diskriminationslernen und Generalisierung auf eigene Beispiele übertragen.
  • die Dreifachkontingenz aus diskriminativem Reiz sowie Verhalten und Verstärker verstehen
  • das Bedingungsgefüge von Verhalten aufschlüsseln und Maßnahmen der Änderung planen.
  • Aversive Kontrolle (negative Verstärkung und Bestrafung) und ihre Nachteile darlegen
  • Bestrafung als Darbietung negativer oder Entfernung positiver Verstärker verstehen
  • Mit der Entfernung positiver Verstärker die Rate von problematischem Verhalten verringern.
  • den Lernweg von Flucht- und Meidungsverhalten am Beispiel der Angst erklären
  • den Einfluss von motivierenden Operationen auf Verhalten und Verstärkung darlegen.
  • Methoden der Bedingungsvariation zur experimentellen Analyse von Verhalten anwenden.
  • ein Änderungsexperiment von der Planung bis zur Auswertung der Daten realisieren.
Zertifizierung

Versuchsplanung und Umsetzung eines Änderungsexperiments während der Praxisphase. (Auf Wunsch können Sie das Kursprogramm auch ohne Zertifizierung mit einem Teilnahmenachweis abschließen).

Termine
  • 24./25.09.2022 Präsenz (Köln)
  • 05./06.11.2022 Online
  • 10./11.12.2022 Online
  • 21./22.01.2023 Online
  • 11./12.02.2023 Online
  • 18./19.03.2023 Präsenz (Köln)
Anwendungslehrgang

Mit der erfolgreich absolvierten Zertifizierung erfüllen Sie die Eingangsvoraussetzung für die Teilnahme am Anwendungslehrgang

  • Angewandte Verhaltensanalyse in der beruflichen Integration und Rehabilitation
  • Angewandte Verhaltensanalyse in der Entwicklungsrehabilitation und Erziehungshilfe
  • Angewandte Verhaltensanalyse in der Gesundheitsförderung
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